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Vom 12. bis 16. März 2007 kamen die Leiter der Priesterseminare Deutschlands im Robert-Schuman Haus, der Akademie des Bistums Trier, zusammen. Die Vorstände der ca. 35 auf der Konferenz vertretenen Ausbildungshäuser im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz stellten den Studienteil ihrer Jahreskonferenz unter das Thema:

Dienst und Leben der Priester in neuen Seelsorgestrukturen

– Veränderungsprozesse geistlich gestalten lernen –

Anlass für die Wahl des Themas war die Feststellung bei der letztjährigen Konferenz in Erfurt, dass derzeit in den meisten deutschen Diözesen umfassende Veränderungen der Seelsorgestrukturen vorgenommen werden, die gravierende Rückwirkungen auf Dienst und Leben der Priester haben. Mancherorts sind Priester mit der Leitung mehrerer Gemeinden betraut. Andernorts entstehen große neue Pfarreien, in denen sich unterschiedliche Berufsprofile für die Priester entwickeln. Dies legt die Frage nahe, wie in der Priesterausbildung auf diese Veränderungen zu reagieren ist. Zudem verbirgt sich dahinter eine grundsätzlichere Herausforderung: Wie kann es gelingen, notwendige Veränderungsprozesse geistlich zu gestalten? Wie kann das notwendige »change-management« zugleich ein Prozess geistlich-apostolischer Unterscheidung sein?

referenten.jpgDie drei zur Tagung geladenen Referenten P. Franz Meures SJ (Rektor des Priesterseminars Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom, Mitglied der Konferenz), Domvikar Dr. Martin Lörsch, Trier (Leiter des Projekts 2020: Erneuerung der Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften im Bistum Trier) und Jörg Pfander (Dipl.-Betriebswirt, Unternehmens- und Organisationsberater) vertieften diese Fragestellung in zwei Richtungen:

• Wie lernen wir selbst als Ausbilder die Veränderungsprozesse in der Priesterausbildung geistlich gestalten?

  • • Wie können wir künftige Priester auf den Dienst in zunehmend differenzierten Aufgaben und in sich ständig veränderten Situationen vorbereiten?

Neben dem Studienteil fanden auf der Regentenkonferenz Regularien, ein Ausflug in das benachbarte Fürstentum Luxemburg und die Begegnung mit dem Bistum Trier ihren Platz. Zu dieser Begegnung hatte Bischof Dr. Reinhard Marx die Mitglieder der Konferenz zu einer Eucharistiefeier in die Jesuitenkirche des Bischöflichen Priesterseminars sowie zum anschließenden Gespräch und einem festlichen Abendessen eingeladen.

mudam.jpgjesuitenkirche.jpgspeisesaal.jpgtapken_baur_degen.jpg

In einem abschließenden Pressegespräch gaben der Vorsitzende der Konferenz, Regens Dr. Baur (München) und sein Stellvertreter, Regens Dr. Tapken (Münster) einen ersten Einblick in Ergebnisse der Tagung. Sie erläuterten, dass es für Priester künftig verschiedene Aufgaben geben werde, in denen sie nebeneinander und gemeinsam in der Seelsorge arbeiten würden. So werde es beispielsweise leitende Priester geben, die in der Lage sein müssten, auch größeren pastorale Einheiten vorzustehen, wie sie beispielsweise durch die Zusammenlegung mehrerer Pfarreien entstünden. „Hier müssen wir Leitungs- und Managementwissen fördern“, sagte Tapken. Dabei seien Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit und Personalführung gefragt. Keinesfalls dürfe man den Priester aber zum reinen Manager machen. „Leitung meint im kirchlichen Bereich immer geistliche Leitung, also die Fähigkeit, Gruppen, Gemeinden und Prozesse im Sinne einer geistlichen ‚Unterscheidung der Geister‘ zu begleiten“, sagte Tapken. Ein weiterer Priestertyp werde schwerpunktmäßig in der kategorialen und territorialen Seelsorge, von Angesicht zu Angesicht mit den Menschen, arbeiten. Daneben sollte es möglich sein, Priester mit besonderen Begabungen für besondere Aufgaben einzusetzen, beispielsweise als „missionierende Priester“. Für Dienst und Leben der Priester werde es immer bedeutsamer, einer möglichen Vereinsamung entgegen zu wirken und Wege zu finden, wie Priester auch untereinander besser kommunizieren könnten, und zugleich „schützende Strukturen“ für die Seelsorger zu schaffen. Es gelte, einer Überforderung entgegen zu wirken. Hier seien Begleitungsangebote künftig sicher stärker gefragt, betonte Regens Dr. Bätzing (Trier).

Bilder: Oben: Die Referenten Meures, Pfander und Lörsch (von links nach rechts). Untere Reihe von links nach rechts: Im Museum Mudam (Luxemburg); Bischof Marx bei der Eucharistiefeier in der Trierer Jesuitenkirche; beim Abendessen im Speisesaal des Trierer Priesterseminars; A. Tapken und F. J. Baur sowie Regens Degen aus Schweden (v. l. n. r.).