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kathtag1.jpgIm Gespräch über die Zukunft der Priester: Bischof Dr. Reinhard Marx (2. v. l.) und und Gertrud Pollak, Ordinariatsrätin für Schulen und Hochschulen im Bistums Mainz, mit den Moderatoren Christian Laubhold (l.) aus Paderborn und Regens Manfred Schomaker aus Osnabrück.

Ulm, 18. Juni 2004. „Welche Priester brauchen wir? Priester für das 21. Jahrhundert“: Mit diesem Thema beschäftigte sich am Donnerstag eine Podiumsdiskussion auf dem 95. Deutschen Katholikentag in Ulm. Aus dem Erzbistum Paderborn nahmen Dr. Peter Klasvogt, Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars, und Christian Heim, Pastor in Unna, an der Veranstaltung teil. Die Moderation der gut besuchten Veranstaltung hatten Christian Laubhold aus dem Paderborner Priesterseminar, der auch Sprecher der Deutschen Seminarsprecherkonferenz ist, sowie Manfred Schomaker, Regens des Priesterseminars in Osnabrück. Zu den vielen bekannten Persönlichkeiten, die zur Zukunft des Priesterberufs Rede und Antwort standen, zählte auch der Trierer Bischof und ehemalige Paderborner Weihbischof Dr. Reinhard Marx. Er nannte drei wesentliche Erwartungen, die er an zukünftige Priester habe: sie müssten Männer des Gebets sein, eine Beziehung zur Feier der Sakramente haben und „menschliche“ Fähigkeiten besitzen. „So wie Gott uns gemacht hat, sind wir ein Instrument, auf dem Gott eine Melodie spielen will.“ Je geistlicher ein Mensch werde, desto menschlicher werde er auch.

kathtag2.jpgRegens Dr. Peter Klasvogt (r.) und Moderator Laubhold (l.) unterhielten sich mit einem Priesteramtskandidaten.

Gertrud Pollack, Ordinariatsrätin für Schulen und Hochschulen im Bistum Mainz, nahm das Miteinander der verschiedenen Berufsgruppen in der Seelsorge in den Blick. Entscheidend sei hier die Frage nach einer gemeinsamen Basis der unterschiedlichen Berufe. Gegenseitige Wertschätzung, Offenheit und Neugierde auf das, was der andere kann, sei für die Zusammenarbeit förderlicher als gegenseitige Abgrenzung. Regens Dr. Klasvogt, derzeit auch Vorsitzender der Deutschen Regentenkonferenz, betonte in seinem Statement, dass es auch für die Priester im 21. Jahrhundert in erster Linie wichtig sei, den Kopf im Himmel und die Füße fest auf dem Boden zu haben. Auf einer USA-Reise sei ihm die Aussage eines „vocational-directors“ in Erinnerung geblieben; dieser habe gesagt, dass die zukünftigen Priester „burning people“ – „für Gott brennende Menschen“ sein sollten. Des Weiteren sprach er sich dagegen aus, die Psychologie in der Priesterausbildung zu pathologisieren. Die Zeit der Ausbildung solle vielmehr genutzt werden, um die einzelne Person mit all ihren Ressourcen zu fördern. Man dürfe nicht den Eindruck erwecken, die Psychologie nur dann heranzuziehen, wenn es Probleme gäbe. Mit Blick auf die zurückgehende Zahl der Kandidaten für das Priesteramt führte Klasvogt aus, dass eine verstärkte Kooperation von Priesterseminaren angedacht sei. Die leitende Frage müsse hier sein, wie man dem einzelnen einen angemessenen Fortbildungsort zur Verfügung stellen könne.

kathtag1.jpgBrachten sich in die Debatte ein: Dr. Peter Birkhofer, Direktor des Zentrums für Berufungspastoral in Freiburg (2. v. l.), mit Pastor Christian Heim (2. v. r.) aus Unna.

Dr. Peter Birkhofer, Direktor des Zentrums für Berufungspastoral in Freiburg, hob hervor, dass Berufung bereits bei der Schöpfungstheologie einsetzt, denn die ganze Welt und jeder einzelne Mensch verdanke sich letztlich dem Ruf Gottes. Die verschiedenen Berufungen, die es gäbe, dürften nie gegeneinander ausgespielt werden. Im Grunde müsse alles pastorale Tun in den Gemeinden Berufungspastoral sein: dem einzelnen dabei zu helfen, den Ruf Gottes zu vernehmen und darauf zu hören. Christian Heim wies in seinem Statement darauf hin, dass der Priester kein Supermann und kein „Mr. Perfect“ sei. Er müsse ein Mensch sein, der eine Leidenschaft habe und für Gott und die Menschen da sei. Wichtig sei das Gebet für Priesterberufe und ein neuer Aufbruch in den Gemeinden. Dort müssten sich die Christen auf den Weg der Nachfolge machen, damit deutlich werde: „Wir sind berufen.“ [Originalartikel: http://www.i-basis.de/portal/ … ]