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Die Stabilität der letzten drei Jahre hat sich leider nicht gehalten, die Zahlen sind weiter zurückgegangen. Immerhin liegen die Neuanmeldungen deutlich über dem Tiefststand von 2004. Alarmierend ist, dass die Zahl der Neupriester für die Diözesen Deutschlands erstmals unter 100 gesunken ist.

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Die Verantwortlichen in der Priesterbildung können sich mit diesen Zahlen nicht zufrieden geben. Aus meiner Sicht ergeben sich für das weitere Handeln der Priesterseminare daraus im Wesentlichen drei Folgerungen:

  • In der sorgfältigen Handhabung der Kriterien für die Eignung darf nicht nachgelassen werden. Die Zahlen zeigen, dass die Regenten dem Druck des Priestermangels nicht nachgeben und den Bischöfen Kandidaten für die Weihe empfehlen, die den Anforderungen des Dienstes später womöglich nicht gewachsen sind. Die Aufgabe der geistlichen Leitung, die den Priestern obliegt, ist anspruchsvoll, und sie verlangt entsprechend tüchtige, gut qualifizierte, dienstbereite und leistungsbereite Männer. Darauf ist bei der Zulassung weiterhin streng zu achten.
  • Die Bemühungen in der Berufungspastoral müssen fortgesetzt werden. Die Unersetzlichkeit und der Wert des Priesterberufs für die Kirche wird bereits viel deutlicher gesehen als noch vor einigen Jahren, aber das Potential an Ideen und Akzenten in der Berufungspastoral ist noch nicht ausgeschöpft.
  • Die in vielen Diözesen stattfindenden Veränderungsprozesse können und sollen dazu beitragen, den Priesterberuf wieder als lohnende Option erscheinen zu lassen. Während bisher die Zusammenlegung von Pfarreien oft zu Lasten des Pfarrers ging, dem schlicht zusätzliche Arbeit und Verantwortung aufgebürdet wurde, überlegt man jetzt verstärkt die inhaltliche pastorale Ausrichtung des kirchlichen Lebens vor Ort. Der Priesterberuf kann in diesen Veränderungsprozessen neu an Attraktivität gewinnen für alle, die einer authentischen geistlichen Berufung folgen und Verantwortung für das kirchliche Leben im Gottesdienst, in der Sorge um den Mitmenschen und in der Weitergabe des Evangeliums übernehmen wollen. Die Verantwortlichen in der Priesterbildung werden dafür sorgen, dass man auf diesen Gesichtspunkt aufmerksam bleibt.

Dr. Franz-Josef Baur